Der Papst gibt dieser Frau «eins auf die Finger»

Ins Zentrum der Neujahrsansprache stellte er die Frauen

Der Papst hat in seiner Neujahrspredigt mehr Mitspracherecht für Frauen gefordert. In der katholischen Kirche ist es aber noch nicht soweit. Und der Papst entschuldigt sich bei einer aufdringlichen Gläubigen.

Frauen seien «Quellen des Lebens». «Und doch werden sie ständig beleidigt, geschlagen, vergewaltigt, dazu gebracht, sich zu prostituieren oder das Leben in ihrem Schoss auszulöschen.» Der Frauenkörper werde auf «profanen Altären der Werbung, des Gewinns und der Pornografie geopfert, ausgebeutet wie ein Nutzobjekt». Er müsse «vom Konsumismus befreit werden, er muss geachtet und geehrt werden; er ist das edelste Fleisch der Welt», sagte der Papst.

Auch heute werde die «Mutterschaft gedemütigt, weil das einzige Wachstum, das interessiert, das Wirtschaftswachstum ist». Viele Mütter müssten fliehen, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu sichern. «Sie werden für überschüssig gehalten von Menschen, deren Bauch voll ist, jedoch mit Dingen, und deren Herz leer an Liebe ist.» Die Frau sei «Spenderin und Mittlerin des Friedens und muss an den Entscheidungsprozessen voll beteiligt werden», sagte Franziskus weiter. Die katholische Kirche feiert an Neujahr traditionell das Hochfest der Mutter Gottes.

Hoffnungen nicht erfüllt
Seit langem fordern Laien und auch viele Katholiken mehr Mitsprache von Frauen in der Kirche. Jedoch sind Hoffnungen bisher enttäuscht worden, dass Franziskus die Kirche für Frauen wesentlich öffnet. Zum Beispiel dürfen Frauen keine Priester werden, daran wird sich auch unter dem derzeitigen Papst nichts ändern. Und auch die Hoffnung auf die Einführung eines Frauendiakonats wurde gedämpft, weil eine Vatikan-Kommission in diesem Punkt zu keinem Ergebnis kam.

Auch die römische Kurie - also der Verwaltungsapparat der Kirche – ist auf Führungsebene nur mit Männern besetzt. Zwar hebt Franziskus immer wieder den Wert der Frauen hervor - doch an den Fakten hat sich bisher wenig geändert.

Feind erkannt: der Teufel
Nun sagte der Pontifex, die Welt sei «geeinter und friedvoller», wenn Frauen mehr einbezogen würden. «Daher ist eine Errungenschaft für die Frau eine Errungenschaft für die ganze Menschheit.» Auch die Kirche finde ihre «Mitte und Einheit wieder», wenn sie sich der Frau nähert.

«Der Feind der menschlichen Natur, der Teufel, versucht hingegen, sie zu spalten, indem er die Unterschiede, die Ideologien, die einseitigen Überlegungen und Parteien in den Vordergrund stellt.» Innerhalb der Kirche gibt es grossen Widerstand gegen Franziskus Reformvorhaben.

Papst bittet um Entschuldigung
Nach der Neujahrsmesse bat Franziskus noch in einem konkreten Fall um Entschuldigung. Dem Papst wurde es am Silvesterabend zu viel, als er auf dem Petersplatz in Rom von Gläubigen umzingelt war. Eine 83-Jährige ergriff seine Hand, riss Franziskus an sich und wollte ihn nicht mehr loslassen. Franziskus gab ihr darauf einen Klaps auf die Hand.

Heute bat er um Entschuldigung. Franziskus sagte beim Angelusgebet nach der Messe: «Manchmal verlieren wir die Geduld, ich bitte um Entschuldigung für das schlechte Beispiel.»

Quelle: sda/red