Altern bei guter Gesundheit: Schere öffnet sich

Studie zeigt, dass tiefere Bildung schlechtere Gesundheit bedeutet

Frauen und Männer in der Schweiz werden immer älter. (Symbolbild)

Frauen und Männer in der Schweiz werden immer älter. Eine Studie zeigt, dass dies für Menschen mit tiefem Bildungsniveau mehr Jahre bei schlechter Gesundheit bedeutet. Und das Problem scheint sich zu verschärfen.

Bedeutet eine höhere Lebenserwartung auch mehr Jahre bei guter Gesundheit? Oder verlängert sich damit nur der Lebensabschnitt mit stark belastenden Gesundheitsleiden? Dieser Frage ist eine Studie des Nationalen Forschungsschwerpunkts "Lives" nachgegangen. Beunruhigend ist vor allem die Entwicklung bei Menschen mit tiefem Bildungsniveau. Davon berichteten die Forschenden im Fachblatt "International Journal of Public Health".

Für ihre Studie werteten die Forschenden um Adrien Remund und Michel Oris von der Universität Genf Daten aus einer Langzeitstudie aus: Sie umfasst Daten zu über elf Millionen Menschen, die zwischen 1990 und 2015 in der Schweiz lebten, wie die Uni Genf in einer Medienmitteilung festhielt. Diese Daten verknüpften die Wissenschaftler mit Informationen aus den Schweizerischen Gesundheitsbefragungen. Bei ihrer Analyse unterschieden sie den Zuwachs der Lebenserwartung und die Anzahl zusätzlicher Lebensjahre bei guter Gesundheit - aufgeschlüsselt nach Geschlecht und Bildungsniveau.

Bildung hat Einfluss auf Gesundheit

Der Befund: Wer nur die Pflichtschule absolviert hat, kann sich im Schnitt weniger lange guter Gesundheit erfreuen als Männer und Frauen, die einen höheren Bildungsabschluss haben. Dass Bildungsniveau mit Gesundheit und Lebenserwartung zusammenhängen, ist zwar aus anderen Studien bekannt. Brisant ist jedoch, dass sich diese Schere im Verlauf der Jahrzehnte weiter zu öffnen scheint, wie die Forschenden berichten.

Insbesondere seit der Jahrtausendwende stagniert der Zuwachs an gesunden Lebensjahren bei Männern, die nur die obligatorische Schule abgeschlossen haben. Lag die Differenz zwischen dem tiefsten Bildungsniveau und dem höchsten 1990 noch bei 7,7 gesunden Lebensjahren, lag sie 2010 bei 8,8 Jahren. Bei Frauen hat sich diese Differenz zwischen tieferen und höheren Bildungsniveaus von 3,3 gesunden Lebensjahren im Jahr 1990 auf 5 Jahre in 2010 erhöht.

Erklären könne man die Unterschiede damit, dass Menschen mit geringeren Einkommen regelmässige Check-Ups bei Ärzten hinausschöben oder ganz aufgäben, erklärte Oris gemäss der Mitteilung. "Sie meiden Vorsorgeuntersuchungen, weil sie zu teuer und nicht von der Versicherung abgedeckt sind." Weniger Prävention bedeute, dass chronische Erkrankungen später entdeckt würden und sich die Gesundheit schneller verschlechtere.

(Quelle: sda)